Glauben und Wissen

Gepostet von am Jan 5, 2013 In Nachrichten | Keine Kommentare

Glauben und Wissen

world-government-vaticanDer Vatikan und die Evolutionstheorie

Lange Zeit stand der Vatikan der Evolutionstheorie, ähnlich wie Vertreter des Kreationismus in den USA, unaufgeschlossen und ablehnend gegenüber. Neben dem Streitpunkt, dass das Christentum an einen Schöpfer glaubt, der alles geschaffen hat, somit auch die Tier- und Pflanzenwelt und jedes noch so winzige Bakterium stand auch die Behauptung der Evolutionstheorie, dass sich das Leben überwiegend zufällig und nicht vorherbestimmt entwickelt, im Widerspruch zur Schöpfungslehre der Bibel. Auch wenn im Laufe der Zeit immer häufiger auch Katholiken eine andere Auffassung annahmen und die Evolutionstheorie mit ihrem Glauben vereinbar sahen, war der offizielle Standpunkt des Vatikans für die überall auf der Welt vertretene katholische Kirche maßgeblich.

Mit einer offiziellen Erklärung im Jahr 1996 in der vatikanischen Zeitschrift „Osservatore Romano“ gab der damals amtierende Papst Johannes Paul II. dann anschließend bekannt, dass der Vatikan die Evolutionstheorie nicht länger als bloße Hypothese betrachten würde und geneigt ist diese anzuerkennen. Dabei handelte es sich allerdings um kein Eingeständnis des obersten Kirchenführers, dass die Bibel mit der Schöpfungslehre falsch liegen würde. Der Papst betonte im Gegenteil sogar, dass die Anerkennung der Evolutionstheorie nicht im Widerspruch zum Glauben der katholischen Kirche stehen würde und die Tatsache dass die Evolutionstheorie richtig liegen würde auch keine Glaubenswahrheiten umwirft. Durch ähnliche Eingeständnisse vonseiten der katholischen Kirche zu Beweisen der Naturwissenschaften sorgte Papst Johannes Paul II. bereits im Jahr 1992 für Aufsehen, als er der päpstlichen Inquisition des 17. Jahrhundert einen Irrtum im Bezug auf beispielsweise den berühmten Naturwissenschaftler Galileo Galilei bescheinigte. Hier hatte der Papst erklärt, dass die Theologen des Mittelalters, darunter die Inquisition des Papstes selbst, in großem Irrtum lagen, als sie annahmen, dass die Bibel wortwörtlich den physikalischen Zustand der Erde beschreiben würde. Ferner merkte der Papst an, dass sich auch die katholische Kirche seit Jahrzehnten mit dem Thema der Evolution auf wissenschaftlicher und theologischer Basis beschäftigen würde und deshalb nun zu der Erkenntnis gelangt ist, dass man die Evolutionstheorie nicht länger als reine Hypothese abtun kann und anerkennen müsse.

Der Kompromiss mit der Evolutionstheorie vonseiten des Vatikans besteht vor allem darin, dass den naturwissenschaftlichen Auslegungen der Evolutionstheorie zwar recht gegeben wird, gleichzeitig aber weiterhin betont wird, dass der Mensch gemäß den Schriften der Offenbarung in der Bibel dennoch von Gott geschaffen wurde. Zwar nicht mehr im materiellen Sinne, da dies wiederum mit der Evolutionstheorie nicht vereinbar wäre, aber doch im Sinne der menschlichen Seele, die Gott unmittelbar selbst erschaffen habe.

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